sportlerehrung

Die Löhnerin Kristin Pudenz wird Fünfte bei der EM in Birmingham und lässt die schwierige Saison jetzt beim ISTAF ausklingen.

Noch ein Wettkampf (das ISTAF am 30. August vor ihrer Haustür in Berlin), dann ist die Freiluft-Saison in 2026 für sie Geschichte. Die Löhnerin Kristin Pudenz (startet für den OSC Potsdam) wird dann kürzer treten, aber nicht gleich entspannt die Füße hochlegen. „Den Diskus werde ich auf jeden Fall zur Seite legen und werde ein paar Wochen nichts mehr damit machen.

Aber körperlich werde ich mich schon weiter betätigen, und zum Beispiel Fahrrad fahren, um fit zu bleiben“, sagt die 33-Jährige nach einem schwierigen Jahr und dem 5. Platz im Diskuswerfen bei der Europameisterschaft im englischen Birmingham.

Ein im März festgestellter Bandscheibenvorfall bremste sie im sportlichen Treiben doch erheblich ein. Ihr fehlten durch die Zwangspause reichlich Würfe in Trainingseinheiten. „Am Anfang der Saison wusste ich gar nicht, ob ich überhaupt eine Saison absolvieren kann. Ich habe nicht aufgegeben, mich herangekämpft und bin froh, dass ich diese Saison so durchgezogen habe“, sagt Kristin Pudenz und ist nach mehreren Tagen Abstand zum Wettkampf (am Freitag vergangener Woche) mittlerweile mit ihren Gefühlen im Reinen. „Nach dem Wettkampf war es schon ärgerlich, dass es nicht zu Bronze gereicht hatte – weil ich nicht weit weg war von einer Medaille“, sagt die Löhnerin.

Hier die Zahlen dazu: Kristin Pudenz wurde Fünfte mit 63,27 Meter und lag nur 1,34 Meter hinter der Bronzemedaillen-Gewinnerin Vanessa Kamga aus Schweden mit 64,61 Meter. Silber holte sich die Dauerrivalin von Kristin Pudenz im vergangenen Jahrzehnt, Shanice Craft (SV Halle), mit 65,72 Meter. Gold ging an die Niederländerin Jorinde van Klinken mit 67,67 Meter – und dieser goldige Wurf gelang ihr gleich im ersten Versuch. Damit schockte sie die Konkurrenz gleich mal. Die letzten drei Würfe von ihr waren alle ungültig. Die 33-jährige Shanice Craft legte in den sechs Würfen eine gute Serie zwischen 62 und 66 Meter hin und schleuderte die ein Kilogramm wiegende Diskusscheibe im dritten Versuch auf den Silber-Rang. Die EM-Zweite von 2022 und Wahl-Potsdamerin Kristin Pudenz legte folgende Serie in den sechs Versuchen hin: 60,06 – 62,58 – 63,27 – 60,79 – 61,53 – ungültig. „Direkt nach dem Wettkampf war ich noch voller Adrenalin, voller Emotionen sowie frustriert und enttäuscht. Ich hatte im Vorfeld dieser EM schon andere Weiten erwartet, die für mich in dieser schwierigen Saison mit Bandscheibenvorfall und Trainingsrückstand nicht erreichbar gewesen wären. Jetzt aber war ich nicht weg vom Podium, und das ist dann erst mal sehr enttäuschend. Aber mit einem Tag Abstand und realistischer Einschätzung meines aktuellen Leistungsvermögens konnte ich zufrieden sein – und das bin ich heute nach der Ankunft zu Hause auch noch“, sagt Kristin Pudenz.

„Es motiviert mich jetzt noch mehr für die Saison 2027 mit dem sportlichen Höhepunkt der WM im September. Es gibt mir einen extra Kick. Wenn ich im nächsten Jahr gesund durchkomme, sieht das hoffentlich wieder ganz anders aus. Dann sind wieder andere Weiten von mir zu erwarten, dann ist vieles wieder möglich“, blickt die Leistungssportlerin (seit dem 16. Lebensjahr) sehr optimistisch in die sportliche Zukunft.
Ihr Vater und langjähriger Trainer beim TV Löhne-Bahnhof, Rüdiger Pudenz, schaute sich den Wettkampf seiner Tochter am späten Freitagabend natürlich gebannt und gespannt vor dem Fernseher an und wertet das Endergebnis mit Platz fünf als „prima“. „Endkampf ist doch immer schön. Mit den Problemen in der Saison ist das ein gutes Ergebnis für Kristin. Wenn sie gesund bleibt und es dann hinkriegt, das die Füße wieder schnell werden, fliegt die Scheibe auch wieder ein Stück weiter“, ist der Papa voller Zuversicht, dass seine Kristin es im nächsten Jahr wieder krachen lässt. „Ich habe richtig Bock auf 2027. Ich habe aus dieser Saison gelernt, den Kopf nicht in den Sand zu stecken und mir selbst zu vertrauen. Ich werde nächste Saison fleißig weiter Stabi-Training betreiben. Da habe ich mit Josie eine super Trainerin. Jetzt beim ISTAF in Berlin Ende August lasse ich diese Saison austrudeln, möchte mich noch einmal gut präsentieren“, sagt Kristin Pudenz. Und dann fliegt die Diskusscheibe für ein paar Wochen erst mal in irgendeine Ecke.